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Historie
der Schlesischen Musikfeste
 

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Graf Hochberg

Zum Begründer, Organisator, ja, zur Seele der Schlesischen Musikfeste wurde ein hochbegabter, einflussreicher und vermögender Vertreter des schlesischen Adels. Unter den damaligen Bedingungen war das gewiss ein Glücksumstand, wenn es auch nicht ohne Folgen für das programmatische Profil blieb. Auf Schloss Rohnstock bei Jauer wohnte Bolko Graf von Hochberg (1843-1926). Nach juristischen Studien und kurzer Tätigkeit im diplomatischen Dienst lebte er seine musischen Neigungen. Musikdramatischen Versuchen folgten Kompositionen von Liedern und Instrumentalwerken, darunter drei Sinfonien. Angeregt durch das Erlebnis der Niederrheinischen Musikfeste, strebte er nun mit Gleichgesinnten danach, ähnliches für Schlesien ins Leben zu rufen.

Das 1. Schlesische Musikfest konnte schon im Juli 1876 in Hirschberg unter der Leitung von Ludwig Deppe, Berlin, zu einem beachtlichen Anfangserfolg werden. Zehn schlesische Städte mit zwölf Vereinen stellten 481 Sängerinnen und Sänger. Das Orchester von 106 Musikern kam aus 17 Orten in ganz Deutschland. An drei Festtagen erlebten die Teilnehmer ein Kirchenkonzert, ein sinfonisches Konzert und einen Abend mit Opernmusik, solistischen Darbietungen und dem Halleluja aus Händels „Messias“. Die Veranstaltungsfolge klang aus mit einer Matinee, die schlesischen Komponisten gewidmet war. Im folgenden Jahr 1877 waren elf Vereine mit insgesamt 533 Sängerinnen und Sängern und 111 Orchestermusiker darum bemüht, drei Festtage zum Erfolg zu führen. Dieses 2. Schlesische Musikfest vereinte die Mitwirkenden und Gäste in der Provinzhauptstadt Breslau im Springerschen Saal, dem späteren Konzerthaus. Bereits ein Jahr darauf folgte das 3. Schlesische Musikfest in Görlitz, der zweitgrößten Stadt Niederschlesiens. Mit dieser erstaunlichen Dichte gelungener Veranstaltungen deutete sich an, dass die Schlesischen Musikfeste mit ihrem künstlerischen Anliegen und mit ihrer Gestaltung zu einem soliden Unternehmen mit Zukunft zu werden versprachen.

Graf Hochberg förderte den Fortgang großzügig und auf vielfältige Weise. Nicht weniger als 19 Musikfeste, davon 14 in Görlitz, erlebte und gestaltete er mit. Seine weitreichenden Beziehungen zu den königlichen Behörden verhalfen dazu, mancherlei Schwierigkeiten ohne bürokratische Umwege zu überwinden. Schon in der Frühzeit der Musikfeste, als es noch keine Erfolgsgarantie gab, gewann Graf Hochberg die verständnisvolle Unterstützung des Oberpräsidenten der Provinz Schlesien, von Arnim, des Regierungspräsidenten des Regierungsbezirkes Liegnitz, Freiherr von Zedlitz, der Landstände der preußischen Oberlausitz und des Magistrats der Stadt Görlitz. Als Graf Hochberg von 1896 bis 1903 in Berlin als Generalintendant der königlichen Schauspiele wirkte, konnte er die königliche Kapelle für die Schlesischen Musikfeste gewinnen. Dieser Klangkörper und später das Philharmonische Orchester Berlin waren von 1897 bis 1931 ununterbrochen als Festorchester in Görlitz, nachdem schon seit 1889 Musiker der königlichen Kapelle und des Philharmonischen Orchesters Berlin den Großteil der Orchestermusiker gestellt hatten. Schon dadurch war nun den Schlesischen Musikfesten ein außergewöhnlicher künstlerischer Rang gesichert. Das eingespielte, hervorragend geleitete Spitzenorchester aus der Hauptstadt war eine der wichtigsten Trumpfkarten für die Veranstalter geworden. Als es nun darum ging, in Görlitz Musikhallen für eine große Anzahl von Mitwirkenden und Gästen der Musikfeste zu schaffen, griff Graf Hochberg mehrfach auf sein privates Vermögen zurück.

Görlitz verdankte dem Begründer und Förderer der Schlesischen Musikfeste zu einem guten Teil jenen Ruf, den die Stadt im 19. Jahrhundert und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts als politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum der preußischen Oberlausitz in Deutschland genoss. 1910 wurde er Ehrenbürger von Görlitz. Selten dürfte jemand so wie er diese Würde verdient haben. Denn in der Geschichte der Stadt gibt es kaum ein weiteres Beispiel, wie eine Persönlichkeit mit Ideenreichtum, Einsatzbereitschaft und Opfersinn über ein halbes Jahrhundert hinweg eine Kulturleistung mit so vielen Mitgestaltern und in so hoher Qualität für die Bevölkerung erbracht hätte.

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